Die Grund-Gefühle wie Freude, Wut, Trauer, Angst und Scham sind in uns, damit wir im Alltag handlungsfähig bleiben. Sie sind unser Werkzeug, um uns mit dem Leben auseinander zu setzen. Wir brauchen alle diese Gefühle, damit wir am Leben teilhaben können und damit wir handlungsfähig sind! Und jetzt wird es spannend, denn ich behaupte: Aus nicht gelebten Gefühlen werden Emotionen. Was heißt das denn?

Wir verdrängen gerne die „schlechten Gefühle“

Wir sind Meister darin, die „schlechten Gefühle“ zu verdrängen. Denn wer will sie schon gerne die „schlechten Gefühle“ fühlen?
Jeder für sich entwickelt seine eigene Strategie. Die eine lenkt sich mit Unkraut zupfen ab oder fängt an, die Küche zu wienern, weil sie sich verletzt fühlt. (Was fühlt sie? Ist sie vielleicht wütend?)
Der andere krämpelt die Garage von links auf rechts, weil er sich verletzt fühlt. (Was fühlt er? Ist er vielleicht traurig, weil er sich von ihr nicht verstanden fühlt?).
Was ich damit sagen möchte:

Lebst Du schon?

Von der Vermeidungsstrategie zu nicht gelebten Gefühlen

Jeder von uns entwickelt seine eigene Vermeidungsstrategie – nur um nicht zu fühlen, was wir in dieser Situation gerade fühlen. Oftmals lenken wir uns ab, weil wir nicht traurig, wütend oder ängstlich sein wollen… weil wir uns nicht hinterfragen wollen, um nicht auch noch mehr an uns selbst zu zweifeln (Scham). Das tun die meisten von uns doch ohnehin schon genug – und das hin bis zur Selbstzerfleischung. Eine Balance wäre wünschenswert 🙂

Manchmal entwickelt es sich auch, dass wir uns unbewusst – oder sogar bewusst – dazu entscheiden, einfach besser gar nicht mehr zu fühlen.

Daraus resultiert, dass Du keinen Zugang mehr zu Dir findest. Dein Körper wird „taub“. Die Körper-Empfindungen werden einfach weniger. Du spürst nicht mehr viel – oder gar nichts mehr. Du bist leer und findest keinen Weg zu Deinem Körper und Deinen Gefühlen.  Das Leben wird eintönig und leer. Du funktionierst einfach nur noch und erfüllst einfach nur noch die Erwartungen, die an Dich gestellt werden.

Und wie sieht´s bei Dir aus? Kennst Du Dich schon? Hast Du schon heraus gefunden, ob und wleche Vermeidungsstrategien Du für Dich entwickelt hast, um nicht zu fühlen?
Tja, das ist gar nicht so einfach, sich diese Frage zu beantworten… Denn wo ist denn das Mittelmaß? Tut man diese Dinge, weil sie einfach gemacht werden müssen? Oder um sich abzulenken?

Ein kleiner Tipp dazu: Alles, was Du exzessiv tust, weist auf eine Vermeidungsstrategie hin.

Beispiele zu unseren Vermeidungsstrategien:

  • Über alle Maße gehen mit z.B. Arbeiten – sich in die Arbeit stürzen – Sport, Putzen – Nicht zur Ruhe kommen
  • Videospiele spielen, lesen oder fernsehen
  • essen, essen, essen
  • Konsum von Drogen, Alkohol oder Medikamenten
  • schlafen, schlafen, schlafen (sich betäuben)
  • Selbstverletzendes Verhalten (restriktives Verhalten bzw. Kontrollverhalten)

Was machst Du, um Deine Gefühle nicht zu fühlen?

Was sind Deine Vermeidungsstrategien?

  • Putzen?
  • Essen?
  • Fernsehen?
  • Arbeiten?

  • Shoppen?
  • Ein, zwei, drei Bier trinken?
  • Auto waschen und wienern?
  • Gewichte stemmen bis der Arzt kommt?
  • oder oder oder ….

Dabei ist es so wichtig, auch die „schlechten Gefühle“ zuzulassen! Die Welt der Gefühle bereichert Dein Leben! Wenn Dein weicher Kern wieder zum Vorschein kommt, hast Du das Gefühl wieder zu leben. Gefühle machen das Leben wieder lebenswert. Du kannst lernen, wieder zu leben. Hier ist der erste Schritt dazu:  Fühlen lernen (LINK folgt in Kürze)

Wir verlernen das Fühlen – Daraus entstehen die „Nicht gelebten Gefühle“

Für viele von uns fing das ja schon in der Kindheit an! Überleg mal, wie Deine Kindheit war… Das Verdrängen der Gefühle wurde manchen von uns ja quasi anerzogen. Und manche von uns geben genau das weiter. Sie kennen nichts anderes. Wie machst Du es denn?

Das macht man doch nicht!

(Bei dem Satz gehe ich übrigens die glatte Wand hoch!  Barfuß!)

Wer sagt denn, was MAN macht und was MAN nicht macht? Wer legt das denn bitteschön fest? Wer ist denn eigentlich dieser „Man(n)?“?  
KENNST DU DIESEN SATZ AUCH? All die Dinge, die sich gehören oder nicht gehören, die sich schicken oder nicht.. Wo ist denn da Dein Mittelmaß? Wo ist die Balance zwischen Werten, Regeln und Authentizität?

Wut – durfte man nicht haben

Thema „wütend sein“:
Schon Oma sagte  immer wieder, dass man nicht wütend sein darf, dass man nicht schreien darf.. „Das schickt sich nicht für ein feines Mädchen“ oder „Jetzt sei aber wieder lieb!

HALLO? Geht’s noch??? Natürlich darf man wütend sein! Und das muss man auch! (Ich darf wütend sein! und wieso muss ich eigentlich immer lieb sein?)
Dabei wollte Oma sie nur beruhigen! (Oder sie wusste sich nicht anders in dieser Situation zu helfen…) Dabei wäre Verständis gut gewesen

Trauer – konnte man nicht mit umgehen

Thema „traurig sein“:
Die Schürfwunden an den Knien taten schrecklich weh.. Die kleinen Steinchen hingen noch zwischen den Hautfetzen… Es blutete und irgend so´n durchsichtiges Zeug lief neben dem Blut aus dem rechten Knie.. „Jetzt stell dich nicht so an!“ Hör auf zu Heulen!“ Sagte der Vater zu seinem Sohn  „Ein Indianer kennt keinen Schmerz!

ECHT JETZT? Glaub ich nicht!! Klar kennen die Schmerzen.. ts ts ts! (und was haben diese Indianer überhaupt mit meinem Knie zu tun???)
Dabei meinte es Papa eigentlich nur gut! (Oder er wusste sich nicht anders in der Situation zu helfen) Doch es hätte gut getan, wenn er einfach nur getröstet hätte

Unterdrückte Gefühle sind auch nicht gelebte Gefühle

Wenn die Gefühle nicht gefühlt werden wollen oder dürfen, passiert in dem Augenblick erstmal nichts Augenscheinliches. Die Tränen und der Schnodder werden am Pulliärmel abgewischt.. Das ein oder andere Kullertränchen rollt noch über die Wange – doch wird es schnell abgewischt, bevor Papa es sieht und wieder schimpft. Doch die nicht gelebten Gefühle stauen sich an… Viele Monde lang… Die Wut, die Trauer, die Angst, die Scham und die Freude… Doch irgendwann kochen sie hoch und es explodiert in uns. UND DANN???

(Link folgt)

Explosion der Gefühle