Wer kennt es nicht? – DAS SCHAM-GEFÜHL!
Ob vom Lehrer wegen der schlechten Klassenarbeit vor versammelter Klasse zusammen geflatet, ob vom Chef vor den Arbeitskollegen rund gemacht, ob in der Stadt für das eine oder andere Kilo zu viel oder aufgrund einem Handicap gehänselt… Das Gefühl der Scham überkommt uns einfach und am Liebsten würde man im Erdboden versinken. Stoßgebete werden zum Himmel geschickt mit Bitte, dass sich der Boden auftut und alles ganz schnell vorbei und vergessen ist.

Was ist Scham?

Das Schamgefühl entsteht in uns, wenn das, was wir lieber verheimlichen wollen, öffentlich wird. Dieses peinigende Gefühl treibt uns Menschen dazu an, uns an Normen und an Regeln zu halten die „die Gesellschaft festgelegt“ hat.

Dieses Gefühl reicht von leichter Verlegenheit bis zu tiefer Demütigung. Und nicht für jeden wird das gleich starke Gefühl in der selben Situation ausgelöst. Allein die Vorstellung einer peinlichen Situation lässt uns schon manchmal schämen.

Woher kommt die Scham?

Es ist spannend zu erfahren, dass dieses Gefühl wohl anerzogen ist. Denn das Schamgefühl entsteht erst ungeführ mit dem 2. Lebensjahr. Anhand der negativen Bewertung und Reaktion von Papa oder Mama erkennen die Kleinsten schon, dass ihr Verhalten unerwünscht ist. Und wir lernen schon recht früh, für was wir uns alles schämen sollten. 

Scham

Heute -als Erwachsene- schämen wir uns, weil wir eine negative Reaktion unserer Gesellschaft erwarten oder bekommen

Unterschiedliche Typen von Scham

Selbst ein vergessener Geldbeutel an der Kasse nach dem Einkaufen, lässt dem einen oder anderen die Röte ins Gesicht treiben. Die Scham wird sichtbar – für alle. Wie Peinlich! Es gibt verschiedene Gründe, weshalb sich Menschen schämen können:
  • Persönlichkeitsmerkmale, die von der sozialen oder körperlichen Norm abweichen
    Zum Beispiel kann lautes Lachen oder Weinen in der Öffentlichkeit für manche beschämend sein. (Für hochsensible Menschen ist es übringens oftmals geradezu eine Herausforderung, sich für ihre Gefühlsausbrüche in der Öffentlichkeit nicht zu schämen – Mehr zum Thema Hochsensibilität)
    Manch andere schämen sich für ihren Körper oder ihr Aussehen
  • Grenzüberschreitenes Verhalten
    Verschiedene kulturelle und gesellschaftliche Normen sind auch oft ein Grund dafür, dass sich Menschen schämen. Wenn wir Regeln der Gesellschaft kennen und sie dennoch brechen, ist es oftmals peinlich.
    Während sich mancher hier in Deutschland für ein Rülpser oder Pups schämt, ist das in anderen Kulturen völlig in Ordnung.
    Mit Hilfe der Scham halten wir uns innerhalb einer sozialen Gemeinschaft an Regeln – und so schützt das Schamgefühl die Gesellschaft und uns
  • Misserfolg oder Versagen
    Manche schämen sich für Fehler, die sie gemacht haben oder weil ihnen ein Missgeschick passiert ist. Sie sind peinlich berührt, weil sie denken, nicht gut genug für etwas zu sein.
    Sie schämen sich, weil sie etwas vergessen haben, bei einer Lüge ertappt wurden oder etwas, dass sie behauptet haben, sich doch als Irrtum herausstellt

Was verbirgt sich hinter der Scham?

Hinter der Scham steckt mangelnder Selbstwert. Der Leitsatz „Ich genüge nicht“ und die Angst davor „nicht richtig zu sein“, verbergen sich in dem Schatten der Scham.

Bei der Scham geht es um die Bewertung Deines Verhaltens

 

Scham als Schatten

Scham in seinem Schatten macht die Seele krank. Sie bremst die Freude und die Leichtigkeit im Leben. Selbstzerfleischung tritt in den Vordergrund und oft ist die Scham gepaart mit der Schuld. Allerdings stehen diese beiden Gefühle nicht im angemessenen Verhältnis zur Situation und zum Auslöser. Und nicht selten daraus sind die Folgen Rückzug und Isolation.

Wie wirkt Scham in unserem Körper?

Wenn wir uns schämen, werden die gleichen Gehirnregionen angesprochen, wie die bei existenziellen Ängsten. Wenn wir uns schämen, sind wir in einem stark fehlregulierten Zustand. Der Psychologe Alan N. Schore fand heraus, dass in diesem Zustand der Sympathikus und der Parasympathikus zur selben Zeit aktiviert sind. (Doch eigentlich sind es ja Gegenspieler – und somit auch gegensätzlich tätig.)

Das hat zur Folge, dass der Körper zur selben Zeit extrem aktiv und extrem passiv ist.

Daraus resultieren lt. Schore die körperlichen Reaktionen wie das Erröten, der gesenkter Blick, das Schwitzen, das in sich Hineinsacken und die Verwirrung.

Scham als Kraft

Die Scham birgt die Kraft der Selbstreflexion – sie hilft uns, uns zu hinterfragen. Durch sie reflektieren wir uns, lernen uns selbst besser kennen und lieben.

Die Scham ist das 5. Gefühl in unserem Gefühlskompass und enthält in seiner reinen Form alle vier anderen Gefühlskräfte. Sie ist das einzige Gefühl, das nicht das Außen sondern das Innen reflektiert – es reflektiert uns selbst.

be yourself - love yourself

Mit Scham treten wir mit uns in Beziehung

Durch sie treten wir mit uns in Beziehung. Mit Hilfe der reinen Schamkraft schaffen wir es, das für uns zu ändern, was für uns falsch ist (durch die WUT), das zu genießen, was richtig ist (durch die FREUDE), uns dem zu stellen, was wir fürchten (durch die ANGST) und das anzunehmen, was wir nicht ändern können (durch die TRAUER).

Die Schamkraft gibt Dir die Möglichkeit, den Blick auf Dich selbst zu richten und den unsichtbaren Schutzraum, in dem Du Dich gern bewegt hast, zu verlassen. Mit ihrer Hilfe kannst Du für Dich selbst entscheiden, was Du als schade, falsch, furchtbar oder richtig interpretierst – sowohl für Dein Verhalten – also auch für Deine Wesenszüge.

Die Kraft der Schaum hilft uns, uns so anzunehmen wie wir sind

Die Schamkraft hilft uns dabei, uns so anzunehmen wie wir sind und uns selbst zu lieben. Hier drin liegt der Schlüssel vergraben. Denn nur wenn wir uns selbst in Ordnung finden, können wir uns auch von anderen nichts anderes einreden lassen. Wir kommen somit gar nicht erst auf die Idee, dass es anders sein könnte.

Die Kraft der Scham brauchen wir…

  • um Selbstliebe zu entwickeln
  • um uns selbst anzunehmen
  • unsere Grenzen, Schwächen und Fehler zu erkennen indem wir uns hinterfragen
  • zu erkennen, dass wir keine Übermenschen sind
  • um Demut zu entwickeln

 

Für viele Menschen – für viele, die auf der Suche nach ihren Wurzeln sind und für die, die überangepasst aufgewachsen sind, ist das Fehlen des Schamgefühls bei dem Gegenüber überhaupt nicht nachvollziehbar.

Das Streben nach Perfektionismus, begleitet Dich durch den ganzen Tag. Die überschüssige Schamkraft, die ständig aktiviert ist, lässt Dich auch das kleinsten „Vergehen“ ständig wahrnehmen.

Du fühlst Dich ständig schuldig. Das Leben fühlt sich an wie ein Kampf. Es ist ein Kampf gegen die eigene Unvollkommenheit.
Den kann man nur verlieren!

Wir brauchen die Schamkraft, um aus den unangenehmen oder schmerzhaften Momenten zu lernen und mit diesen Frieden zu schließen.

Zu viel Scham

Hast Du zu viel Scham, bist Du perfektionistisch. Du bist oft unsicher und zweifelst sowohl an Dir und Deinen Entscheidungen als auch an anderen und deren Entscheidungen. Du fühlst Dich oft verantwortlich für brisante Situationen und gibst Dir für alles die Schuld.

Zu wenig Scham

Hast Du zu wenig Scham, wirkst du egozentrisch. Du fühlst Dich oft im Recht und es fällt Dir sehr schwer, Dich für etwas zu entschuldigen.

14. Juli 2020