Was ist Hochsensibilität?

Erstmal vorab etwas Wichtiges: Hochsensibilität ist ein spezifisches Wesensmerkmal und keine psychische Störung. Menschen, die hochsensibel sind, verarbeiten Informationen sehr viel intensiver und vielschichtiger als normal-sensible Menschen. Der Fokus (etwa 90%) der Aufmerksamkeit ist auf das Außen gerichtet. Feine Antennen nehmen alles wahr, was um den Hochsensiblen (kurz HSP) geschieht.

Hochsensible haben feine Antennen

Diese feinen Antennen nehmen jegliche Art von Reizen wahr und auf. Das Nervensystem ist so stark ausgeprägt, dass Geräusche, Gerüche, Lichter, Empfindungen, Reize auf der Haut oder an dem Körper sehr schnell und intensiv wahrgenommen werden. Doch die Informationsflut, die auf die hochsensiblen Menschen einströmt, will auch verarbeitet werden und somit wirken all diese Eindrücke schnell reizüberflutend. Hochsensibilität ist also eine besondere Art der Reizverarbeitung.

So fühlt sich Hochsensibilität an

Wurde Hochsensibilität erforscht?

1996 sprach man in den USA erstmals von Hochsensibilität. Die Psychologin Elaine Aron hat das Phänomen Hochsensibilität wissenschaftlich studiert und um es zu verstehen, definiert. Dadurch haben sich verschiedene Wesensmerkmale herauskristallisiert.

Ca. 15 – 20% der untersuchten Menschen sind hochsensibel – unabhängig von ihrer Herkunft und Geschlecht. Es gibt kein Messinstrument für Hochsensibilität. Sie ist keine emotionale Fähigkeit sondern eine neurologische Besonderheit.

Interview mit Elaine Aron

Auf der Seite welt.de gibt es ein Interview mit Elaine Aron

Woher kommt das hochsensible?

Dass die Ursache in den Genen liegt, ist mittlerweile bekannt. Hinzu kommt wohl noch das Leben an sich…
Wir kommen als Säugling -alle- sehr sensibel auf die Welt und kennen noch nichts. Sätze wie „Das sagt man nicht“, „Das macht man nicht“ oder „Das kannst Du nicht“ kennen wir noch nicht. Wir sind wie wir sind – ohne Scham. Im Laufe unserer Kindheit lernen wir durch Eltern und Erwachsene, wie wir uns zu verhalten haben, was wir nicht dürfen und können. Manche Kinder machen dazu noch schlechte Erfahrungen, so dass sie aus der Herkunftsfamilien genommen werden.

Schlechte Erfahrungen in der Kindheit sind der Grund dafür, dass wir uns nicht sicher in dieser Welt fühlen. Unser Nervensystem stellt sich auf ängstlich ein. Wir weinen viel, denn die Gefühle wollen gehört und gelebt werden.

Manche Menschen sammeln durch Verletzungen in Beziehungen viele Schichten Selbstschutz an – bis sie ein „dickes Fell“ haben. Sie werden abgehärtet. Andere Menschen machen das auch – doch es nützt nichts. Sie fühlen trotzdem alles und stehen nah in Kontakt zu sich selbst und ihrem Herzen. 

Was ist der Unterschied zwischen
feinfühlig und hochsensibel?

Treffen sich zwei Menschen. Sagt der eine:
                 „Dir geht’s gut! Sag mal, wie geht’s mir?“

Genauso ist es

Feinfühlige: Sie fühlen und nehmen wahr und BELASSEN ES DABEI

Hochsensibele: Sie fühlen und nehmen wahr und NEHMEN ES IN SICH AUF

Mit allen Sinnen Im Labyrinth unterwegs

Ist HSP vererbbar?

Chinesische Forscher lieferten im Jahr 2011 erste Erkenntnisse zur genetischen Ursache der Hochsensibilität. Dänische Wissenschaftlicher fanden heraus, dass ein Teil des höheren Sensibilitätslevels auf einen Serotonin-Transporter zurückzuführen ist.

Wissenschaft zum Thema „Ist HSP vererbbar“:

Mehr dazu auf wissenschaft.de

Warum bin ich als Hochsensibler so anders?

Hochsensibilität stellt das Leben erstmal komplett auf den Kopf! Es scheint viele Einschränkungen und Besonderheiten zu geben. Aber sie birgt auch einen wunderbaren Schatz, wenn wir sie annehmen und positiv betrachten. Im Grunde sind hochsensible Menschen nämlich Weltverbesserer.

Doch die meisten sind geprägt von Sprüchen wie: „Ach, was bist Du wieder so empfindlich“, „Stell dich doch nicht so an!“ „Was haste denn jetzt schon wieder?“ „Warum nimmst Du Dir davon denn was an?“… und so weiter.

Irgendwas ist falsch!

Mit diesem Bild wachsen wir auf und gehen durch die Welt. Uns begegnen diese Floskeln immer wieder mal und wir empfinden diese gut gemeinten Ratschläge von anderen Menschen als echt nicht hilfreich! Bei uns kommt an „Ich bin irgendwie anders, ich bin komisch, schräg…“ und Ich weiß nicht, was mit mir nicht stimmt“. Das Ergibnis daraus lautet schlicht „Ich bin falsch!“

Das Vertrauen zur eigenen Wahrnehmung geht verloren

Wir hören diese vertrauten Sprüche von den uns Nahestehenden immer wieder für die einfachsten aufregenden Dinge des Alltags. Das Vertrauen in die eigene Wahrnehmung geht mehr und mehr verloren. Dafür werden dicke Schichten Selbstschutz dicker und dicker. Nicht-Hochsensible können nämlich nicht nachvollziehen, was Hochsensible fühlen, spüren und denken. Ist doch klar – sonst wären sie hochsensibel…
Der Hochsensible verinnerlicht, dass seine Wahrnehmung falsch ist und was bleibt ist die Entstehung eines weiteren negativen Leitsatzes: „Was ich sage, empfinde oder fühle ist falsch“ und die Steigerung davon kommt auch automatisch: „Ich bin falsch“.

„Das bildest Du Dir nur ein“ sagen die anderen

Noch mehr Schichten an Selbstzweifel und Selbstschutzmaßnahmen entstehen aus den Gedanken „Vielleicht bilde ich mir das alles nur ein“, „Vielleicht sollte ich mich nicht immer so anstellen und mich einfach nur ein bisschen mehr anstrengen“ …und dadurch dreht sich das Karussell immer weiter.

Der Grundstein für den negativen Leitsatz ist gesetzt und die Mauer aus Scham, Selbstzweifel und Selbstschutz wird über all die Jahre, in denen Du weiter diese Floskeln hörst und Dir stets weniger zutraust, höher und höher. Das Vertrauen in Dich selbst geht verloren und die Unsicherheit steigt und steigt. Es wird alles in Frage gestellt… und der Selbstwert sinkt und sinkt..Genauso wie die Selbstliebe und Selbstsicherheit (LINK zum Thema Selbstwert und Hochsensibel folgt)

Was ist denn nun „Richtig“?

Stellst Du Dir diese Frage auch schon mal hin und wieder?
Leider findest Du aber auf die Frage „Wie und was ist denn nun richtig?“ keine Antworten mehr in Deinem Inneren. Ist doch klar – weil doch augenscheinlich all Deine feinen Antennen „falsch gepolt“ sind und die eigene Meinung schon längst verloren gegangen ist (naja.. auch schon egal.. die war ja sowieso schon immer falsch, gell? 😉 ).

Daraus folgt die einzig logische Konsequenz: Die Hochsensiblen suchen im Außen nach demjenigen, der weiß, was richtig ist und wie es geht. Jemand, der vermeintlich stark ist, zu dem man aufblicken kann, der immer für jedes Problem die richtige Lösung kennt und immer alles weiß – und vor allem BESSER WEIß und alles BESSER KANN.

Bild von Tausend Fragezeichen im Kopf

Und das passiert währenddessen in
Deinem Unterbewußtsein:

Die Person, die Du auf den Sockel stellst, wird erschaffen… 

Die, an der Du niemals zweifelst…
Die, die immer alles richtig macht…
Die, die Sicherheit und Weisheit vermittelt…
Die, an der Du Dich immer wieder orientierst…
Die, die Dir unbändige Sicherheit vermittelt…

Und das gerade Dir als Adoptiv-Mensch – dem die Sicherheit über alles andere geht!

Selbstverständlich auch über die eigenen Bedürfnisse – sofern Du überhaupt schon mal was davon gehört hast 😉

Ob das so eine gute Strategie
für Deine Zukunft ist???????

Bild von Durcheinander im Kopf

Doch dann reißt der Himmel auf

Viele denken von sich, dass sie krank sind oder dass sie Therapiebedarf haben und probieren das auch aus. Häufig mit nicht so großem Erfolg.

Doch wenn sie von dem Thema „Hochsensibilität“ hören und sich damit identifizieren, reißt für sie endlich der Himmel auf.

Denn auf einmal macht alles einen Sinn!

Das passende Puzzleteil ist gefunden

Alle Puzzlestückchen rücken auf einmal an ihren rechten Fleck!

Und viele erkennen, dass sich hinter dem, was sie für ihre größte Schwäche hielten, etwas Wunderbares verbirgt…

Ein wundervoller Mensch, der seine Fähigkeiten als Talent einsetzen kann.

Nun ist die Suche nach dem, der weiß was richtig und gut ist, beendet – Denn Du hast ihn gefunden!

DU BIST ES SELBST!
Es ist alles schon in Dir!

Der gordische Knoten beginnt sich nun doch noch zu lösen.. Nun bedarf es etwas Arbeit am Selbstwert und Übungen, um sich aufzubauen… Die negativen Glaubenssätze dürfen aufgelöst werden, Du darfst Dir Deiner Stärken bewusst werden und das Fühlen, das so lange unterdrückt wurde, darf wieder neu erlernt werden. Du darfst nun alles zulassen! Und Du darfst daran glauben: Du bist genau richtig!

ALSO AUF!
Fang an und hab Geduld mit Dir!

Schließlich wurde Dir jahrelang von anderen gesagt, was richtig und was falsch ist – Doch das war ihre Meinung…

JETZT BIST DU DRAN!
Was ist Dein Bedürfnis? Welche Meinung möchtest Du vertreten? Was ist für Dich richtig? Welche Werte sind für Dich wichtig? Was passt zu Dir?


Deine wundervolle Reise zu Dir beginnt

Beginne mit einer Achtsamkeitsübung und damit, Dich über Achtsamkeit, Konzentration & Meditation zu informieren!
Kehre Deine Glaubenssätze um und baue Deinen Selbstwert auf! Beschäftige Dich mit Deinen Bedürfnissen und fühle, was Du brauchst! Stehe für Dich ein und setze Dir das, was Dir gut tut, als Dein Ziel!

Du machst Dich nun auf den Weg zu Dir selbst – auf den Weg zu Deinen Wurzeln

Weitere interessante Themen:

  • Was sind die besonderen Merkmale der Hochsensibilität? und
  • Wie wirkt Hochsensibilität auf die Außenwelt?
  • So fühlt sich Hochsensibilität an ! Gehörst Du auch dazu?
  • Fragebogen zur Hochsensibilität    (LINKfolgt)
    Wie baue ich meinen Selbstwert auf?
  • Welcher Job ist für mich als Hochsensibler geeignet?    (LINK folgt)
  • Wo liegen meine Stärken und wie kann ich sie nutzen?   (LINK folgt)

Podcast & Interview zum Thema aus der Parkklinik

Es gibt aus der Parkklinik Heiligenfeld ein interessantes Interview und einen Podcast, der im Rahmen des Symposiums „Lebendige Hochsensibilität“ mit Martin Bertsch aufgenommen wurde. Beides könnt ihr euch unter dem Link Parkklinik Heiligenfeld anschauen / anhören.

In dem Podcast geht es um die spezifische Wahrnehmung eines Menschen.
Zum einen geht es um die Wahrnehmung meines Selbst und um die Wahrnehmung im Allgemeinen. HSPler habe eine spezifische Art, ihre Aufmerksamkeit auf sich und die Welt zu richten.

Er beschreibt die Wahrnehmung in seinem Gegensatz anhand dieses Beispiels:
Wenn ich meinen Finger auf die Nase lege und in die Ferne schaue, sehe ich nur die Ferne klar – ich sehe mich / meinen Finger nicht bzw. nur verschwommen.
Bewege ich meinen Finger von der Nase weg in Richtung Ferne, springt der Fokus irgendwann von der Ferne auf meinen Finger und ich nehme meinen Finger wahr. Die Welt wirkt verschwommen.

Menschen mit starker Selbstwahrnehmung sehen den Blickpunkt eher in dem Finger, der in der Ferne ist und haben eine verminderte Weltwahrnehmung. Es sind eher egozentrische Menschen.

Bei hochsensiblen Menschen ist es umgekehrt. Sie haben eine starke Weltwahrnehmung und keine oder eine verschwommene Selbstwahrnehmung.

Jede Konstellation hat ihre Ressourcen und ihre Schwäche – ihre Vorteile und Nachteile (LINK folgt)

Außerdem geht es in einem Gespräch mit einer Coachin, die sich auf Hochsensibilität spezialisiert hat, um das Thema „Stärkung der Kommunikationskompetenz„. Sie hat gute Erfahrung mit dem Handlungskonzept „gewaltfreie Kommunikation“ von Marshall Rosenberg gemacht.
Auf die Ausarbeitung dieses spannenden Themas freue ich mich schon 😉 LINK folgt

2. August 2020